
Umweltbewusstes Reisen zur Antarktis | Foto: ©David #581875385 – stock.adobe.com
Die Antarktis gilt als eine der ursprünglichsten Regionen unserer Erde. Der Südpol gehört zu keinem direkten Staat, feste Siedlungen und Bewohner gibt es kaum – jedoch blüht der Tourismus. Dabei führt der Klimawandel täglich zum Schmelzen der Pole und die wenigen Arten leben in einem bedrohten Ökosystem. Wer die Antarktis bereisen möchte, der sollte also zumindest das umweltfreundlich tun. Dieser Artikel zeigt, wie umweltbewusstes Reisen zur Antarktis möglich ist und gibt Tipps und Verhaltensregeln, um die Belastung möglichst gering zu halten.
Bedeutung für Klima und Umwelt
Unter der Antarktis verstehen wir den südlichsten Punkt unserer Erde, den Südpol. Die Region beinhaltet die Land- und Eismassen des Kontinents Antarktika sowie das dazugehörige Südpolarmeer. Nahezu der ganze Kontinent wird von einer dicken Eismasse bedeckt, die zugleich die größte der Welt ist. An ihrer breitesten Stelle misst sie bis zu 4,5 Kilometer. Bis auf einige Meeresbewohner wie Robben, Seeleoparden und Fische gibt es wenige Tiere, eine Pflanzenwelt ist an den meisten Stellen so gut wie gar nicht vorhanden.
Wer eine bunte Tier- und Pflanzenpracht sucht, wird enttäuscht werden – die wenigen Arten sind bedroht und vom Tourismus besonders betroffen.
Daneben ragen riesige Eisgletscher aus dem Meer hinaus und sind ein bedeutender Faktor im globalen Klimawandel. Als größter Eisspeicher der Welt enthält der Südpol circa 70 % der weltweiten Süßwasserreserven. Schmelzen diese, würde das einen Anstieg des Meeresspiegels um drei bis vier Meter bedeuten – ein Trend, zu dem wir uns leider derzeit hinbewegen. Städte wie New York, Amsterdam und London würden durch die riesigen Wassermassen dem Erdboden gleichgemacht werden. Schon bei einer Erderwärmung von etwa 1,8 °C gilt diese Gefahr als realistisch. Wer in die Antarktis reist, der sollte dem fragilen System also keine weiteren Schäden mehr hinzufügen.

Unter der Antarktis verstehen wir den südlichsten Punkt unserer Erde, den Südpol | Foto: ©Goinyk #250059223 – stock.adobe.com
Anreise in die Antarktis
Die erste Frage dreht sich um eine umweltbewusste Anreise. Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten. Die Anreise über Afrika ist meist nur mit riesigen Kreuzfahrtschiffen und längeren Seewegen möglich, also umwelttechnisch ein absolutes Desaster. Die umweltfreundlichere und meist gewählt Methode führt über Südamerika. Dabei reisen Touristen über Argentinien oder Chile in das ewige Eis im Süden. Um einen Flug in die südamerikanischen Staaten wird im Normalfall also nicht umherkommen. Wie umweltbelastend dieser jedoch sein kann, wird deutlich, wenn man sich den ökologischen Fußabdruck ansieht, den so eine Anreise hinterlässt. So verursacht ein Flug von Frankfurt am Main nach Buenos Aires circa 2,5 Tonnen CO₂. Das entspricht der Hälfte des jährlichen Aufkommens eines Durchschnitts-EU-Bürgers. Wem umweltbewusstes Reisen wichtig ist, der achtet darauf, dass er so eine Reise möglichst nur einmal im Leben angeht oder mit einem geplanten Südamerikaaufenthalt verbindet.
Der umweltfreundlichste Weg führt im Anschluss von Buenos Aires mit dem Zug oder Bus in die patagonische Hafenstadt Ushuaia. Von hier aus startet der Schiffsverkehr und die verschiedenen Möglichkeiten der Reise in die Antarktis.

Die erste Frage dreht sich um eine umweltbewusste Anreise | Foto: ©Christopher #195344910 – stock.adobe.com
Die Umweltbelastung durch den Tourismus
Zunächst ist es wichtig, sich Gedanken zu machen, welche Art von Reise man durch die Antarktis plant. Der Tourismus beläuft sich hauptsächlich auf die Sommermonate von November bis März. Wenn die Eismassen einigermaßen geschmolzen sind, ist die See ohne größere Umstände zu befahren. Zu den beliebtesten Aktivitäten zählen neben Paragliding, Schneewanderungen und Skifahrten über das ewige Eis auch Schneemobilfahrten und Rundflüge. Dass letztere beim umweltbewussten Reisen auszuschließen sind, sollte jedem klar sein.
Auch unabhängig davon ist der Tourismus in der Antarktis eine enorme Bedrohung für die Natur.
Die wenigen nicht vereisten Flächen, die den Besuchern zur Verfügung gestellt werden, sind zugleich die letzten Rückzugsorte der heimischen Tierwelt. Hier paaren sie sich, ziehen ihren Nachwuchs auf und suchen Schutz. Mit dem zunehmenden Tourismus verdrängt der Mensch jedoch die Tiere und sorgt zur Destabilisierung der Ökosysteme. Für umweltbewusste Touristen ergibt sich ein Konflikt: Man möchte die Antarktis erkunden und möglichst wenig Schaden hinterlassen. Doch wie ist das möglich?
Die Wahl der richtigen Expedition
Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Arten den Südpol zu erkunden. Bei Individualreisen machen sich Touristen ganz ohne Reisebegleitung auf den Weg. Das mag zunächst umweltfreundlich klingen, ist jedoch das komplette Gegenteil. Menschen ohne Kenntnisse zur Region verfügen nicht über das notwendige Wissen, um den sensiblen Ökosystemen nicht zu schaden. Sie stören die Tierwelt meist in erheblichem Ausmaß und führen zur Destabilisierung der Ökosysteme. Zudem sind die Reisen meist gefährlich und im Notfall mit umweltschädlichen Rettungsaktionen durch Helikopter oder Flugzeuge verbunden. Wer sich der Umwelt gegenüber korrekt verhalten möchte, wählt einen anderen Weg.
Dieser führt über die Reise mit einem fachkundigen Reiseveranstalter. Unglücklicherweise gibt es auch hier Problempunkte bezüglich der Umweltfreundlichkeit. Die meisten dieser Reisen finden im Rahmen von Kreuzfahrten statt. Hier liegt das Problem in der hohen CO₂-Belastung. Die Schiffe wurden zwar auf 500 Personen pro Fahrt begrenzt, schädigen die Umwelt aufgrund ihres enormen Gewichts und CO₂-Ausstoß jedoch erheblich.
Wer das verhindern möchte, greift auf kleinere Expeditionsschiffe oder im umweltfreundlichsten Fall auf Segelschiffe zurück. So hält man die CO₂-Belastung möglichst gering und schadet der Umgebung durch leiseres Fahren deutlich weniger. Ganz nebenbei steigt das Abenteuergefühl, während man auf dem Segelschiff an riesigen Gletschern im Wasser vorbeigleitet. Kein anderes Fortbewegungsmittel bietet dabei ein so umweltfreundliches und naturnahes Erlebnis wie das Segelschiff.

Die Wahl der richtigen Expedition | Foto: ©suvorovalex #335603412 – stock.adobe.com
Umweltfreundliches Verhalten in der Antarktis
Doch auch mit dem richtigen Transportmittel kann man vor Ort viel falsch machen. Glücklicherweise sind in den letzten Jahren von öffentlicher Stelle Bemühungen unternommen worden. So haben sich die Antarktisstaaten – die Staaten, die am Südpol den größten Einfluss ausüben – auf einige Restriktionen geeinigt. So dürfen beispielsweise nur 100 Personen an einem Ort gleichzeitig an Land gehen. Das schont die sensible Umwelt erheblich. Weiter ist pro 20 Personen auf einer Expedition ein geschulter Reiseleiter vorgeschrieben. Dieser ist genaustens mit der fragilen Umwelt vertraut und überwacht das korrekte Verhalten der Urlauber. Das betrifft vor allem die Lautstärke und das Hinterlassen von Müll oder sonstigen gebietsfremden Gegenständen. Darüber hinaus ist der Vertrieb von Souvenirs untersagt, um die Müllbelastung möglichst gering zu halten. Vegetationsflächen dürfen generell nicht betreten werden, und zu Tieren ist immer ein Abstand von mindestens 5 Metern zu halten. So weit, so obligatorisch.
Wer die Umweltbelastung jedoch möglichst geringhalten möchte, geht ein paar Schritte weiter.
Hierfür gibt es bestimmte Verhaltensregeln. Grundsätzlich ist es wichtig, die Anweisungen des Reiseleiters zu befolgen und ernst zu nehmen. Wenn Tiere in der Nähe sind, gilt es diese mit möglichst großer Vorsicht und Respekt zu behandeln. Das bedeutet, dass man vor allem eins ist: Leise und zurückhaltend. Um das sensible Ökosystem nicht zu stören, sollten ruckartige Bewegungen genauso vermieden werden, wie die Blitzfotografie. Damit die Ausbreitung invasiver Arten und Stoffe vermieden wird, ist es wichtig, sich vor- und nach jedem Landgang umfänglich zu säubern. Das umfasst neben der Kleidung und dem weiteren Ausrüstungsmaterial auch den eigenen Körper.
Fazit
Der Südpol ist ein fragiles Ökosystem von unglaublicher Schönheit. Wer hier Urlaub machen will, der sollte das möglichst umweltbewusst tun. Schon die Anreise in die Antarktis ist eine gewaltige Belastung für unseren Planeten. Mit der Wahl der richtigen Expeditionsart können Schäden jedoch deutlich eingeschränkt werden. Wer sich auf dem ewigen Eis an ein paar Verhaltensregeln hält, grenzt seinen ökologischen Fußabdruck weiter ein.
Mit der richtigen Vorbereitung und dem korrekten Verhalten vor Ort können die Schäden deutlich eingeschränkt werden. Damit bleibt das sensible Ökosystem auch noch künftigen Generationen vorhanden.