
Neues Verbot der EU zur Vernichtung unverkaufter Kleidung | Foto: ©Kate #538034048 – stock.adobe.com
Vernichtung von unverkaufter Kleidung ist für die Hersteller oft günstiger als Recycling. Jährlich landen daher in der EU Millionen Tonnen neuer Kleidung im Müll. Die EU verbietet jetzt die Vernichtung unverkaufter Kleidung. Das Verbot gilt ab Sommer 2026.
Vernichtung neuer Kleidung oft günstiger als Recycling
Immer mehr Menschen kaufen Kleidung im Onlinehandel und neigen auch dazu, mehr zu bestellen, als sie benötigen. Das liegt daran, dass Kleidungsstücke zur Ansicht bestellt werden, da die Kunden nicht sicher sind, ob die Kleidung wirklich gefällt. Auch günstige Preise und Rabatte sind Gründe für dieses Verhalten. In der Folge werden viele Kleidungsstücke wieder zurückgeschickt.
Für die Anbieter ist es häufig günstiger, die zurückgeschickten Artikel zu vernichten als zu recyceln.
Zumeist werden die Hosen, T-Shirts, Schuhe und andere Artikel verbrannt. Das führt zu einen hohen Schadstoffausstoß und belastet die Umwelt.

Vernichtung neuer Kleidung oft günstiger als Recycling | Foto: ©kaentian #435852691 – stock.adobe.com
Bis zu 9 Prozent an unverkaufter Kleidung vernichtet
Laut Kommissionsangaben werden in jedem Jahr allein in Europa Schätzungen zufolge vier bis neun Prozent der unverkauften Textilien zerstört. Sie wurden überhaupt noch nicht getragen und landen auf dem Müll.
Bei der Verbrennung der Kleidungsstücke entstehen in jedem Jahr etwa 5,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Das entspricht fast den gesamten Nettoemissionen in Schweden im Jahr 2021. Im deutschen Onlinehandel werden allein jährlich ungefähr 20 Millionen zurückgeschickte Artikel vernichtet.
Neben der unverkauften, noch nie getragenen Kleidung landen auch Kleidungsstücke und andere Textilien im Müll, die von den Verbrauchern entsorgt werden. Sie gefallen nicht mehr oder sind kaputt.
Wie aus einer Analyse der Boston Consulting Group (BCG) hervorgeht, werden jährlich ungefähr 120 Millionen Tonnen Kleidung weggeworfen. Mit diesen Kleidungsstücken könnten mehr als 200 Fußballstadien bis obenhin gefüllt werden. Die Kleiderberge sind sogar vom Weltraum aus zu sehen.

Bis zu 9 Prozent an unverkaufter Kleidung vernichtet | Foto: ©Martin Debus #265881329 – stock.adobe.com
Verbot der Vernichtung unverkaufter Kleidung durch die EU
Ab dem 19. Juli 2026 dürfen große Mode-Unternehmen gemäß dem neuen Verbot der EU nicht verkaufte Kleidungsstücke und Schuhe nur noch unter strengen Bedingungen vernichten. Für mittlere Unternehmen gilt noch eine Übergangsfrist. Die EU-Kommission teilte mit, dass für diese unternehmen die neue Regelung erst ab 2030 gelten soll.
Mittlere Unternehmen müssen laut der neuen Regelung der EU zusätzlich ab 2030 über die nicht verkauften Konsumgüter, die vernichtet werden, informieren. Für große Unternehmen gilt diese Informationspflicht bereits jetzt.
Ausnahmen für die Vernichtung von ungetragenen Kleidungsstücken sollen für beschädigte Artikel sowie aus hygienischen Gründen gelten.
Sinn des Verbots durch die EU
Die Brüsseler Behörde teilte mit, dass Unternehmen mit der neuen EU-Regelung dazu ermutigt werden sollen, ihre Bestände besser zu verwalten. Rücksendungen sollen besser gehandhabt werden.
Unternehmen sollen über Alternativen zur Vernichtung der Kleidung nachdenken.
Mögliche Alternativen sind Wiederverwendung, Weiterverkauf, Spenden oder Wiederaufarbeitung. Mit den neuen Regelungen sollen Abfälle stark reduziert und Umweltschäden vernichtet werden. Für Unternehmen, die nachhaltige Geschäftsmodelle verfolgen, sollen gleiche Wettbewerbsbedingungen geschaffen werden.
Recycelte Materialien leichter verfügbar machen
Ein Grund, warum die EU die Vernichtung unverkaufter Kleidung verbietet, ist die verschwindend geringe Recyclingquote. Sie ist ein gravierendes ökologisches Problem. In der Modebranche entfallen mehr als 90 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen auf die Gewinnung und Verarbeitung neuer Rohstoffe.
Der Materialwert der Kleiderabfälle pro Jahr wird auf 150 Milliarden US-Dollar geschätzt. Das entspricht ungefähr 129,3 Milliarden Euro. In der Textilbranche ist es daher wichtig, eine Kreislaufwirtschaft aufzubauen.
Für die Hersteller müssen die recycelten Materialien leichter verfügbar gemacht werden. Eine Lösung sind vereinfachte Rücknahmesysteme. Für Verbraucher könnte die Rückgabe nicht mehr benötigter Kleidung attraktiver gemacht werden. Sinnvoll sind auch neue Sortiertechnologien. Mischgewebe könnte mit chemischem Recycling besser verarbeitet werden.



