
Maßnahmen gegen hohe Lärmbelastungen | Foto: ©mpix-foto #503996432 – stock.adobe.com
Das Hören ist eines der fünf Sinne und begleitet uns in jeder Situation des Alltags. Angenehme Klänge wie Vogelgezwitscher und Musik bereichern das Leben, störende Geräusche halten uns zurück und können sogar krank machen. Dabei ist Lärm eines der zentralen Probleme moderner Großstädte und der Grund für viele psychische und körperliche Leiden. Das betrifft nicht nur den Menschen, sondern bedroht ebenso sensible Ökosysteme und deren Arten. Die Probleme sind vielfältig – die Maßnahmen stecken häufig noch in den Kinderschuhen. Wie in Deutschland gegen die Lärmbelastung vorgegangen wird, zeigt folgender Artikel.
Wie entsteht Lärm?
Lärm ist eines der zentralen Probleme des modernen Lebens. Ob in der Großstadt oder auch auf dem Land – fast nirgends ist man sich mehr einer Form des künstlichen Lärms sicher. Doch was genau bedeutet das? Grundsätzlich verstehen wir unter Lärm unerwünschte, laute Geräusche. Die Schwingungen, die sich über Schallwellen in der Luft ausbreiten werden dabei unterschiedlich wahrgenommen. Den einen stören sie unermesslich, den anderen wiederum lassen sie komplett kalt. Das ist auch ein Grund, warum zum Beispiel der eine Nachbar intensiver auf die eigenen Schritte reagiert als der andere.
Doch für gewöhnlich bleibt es nicht bei den unerwünschten Gehgeräuschen – Lärm kann vielseitig sein.
Die direkte Nachbarschaft ist eine der naheliegendsten Quellen von Lärm. Jeder kennt den ein oder anderen Nachbarn, der gerne mal die Musik lauter dreht und weiß, wie einen das im ungünstigen Moment um den Verstand bringen kann. So zeigt eine Studie aus dem Jahr 2020, dass sich 57 % der befragten Deutschen durch die Geräusche der Nachbarschaft gestört fühlen. Dazu zählen vor allem Störwirkungen durch Gartengeräte, wie Rasenmäher, aber auch Feiern mit lauter Musik und vielen Gästen. Auch gebäudetechnische Anlagen wie Wärmepumpen des Nachbargrundstücks können ein großer Störfaktor sein.
Lärmquellen, die als deutlich weniger belastend wahrgenommen werden, sind der Schienen- und Flugverkehr (Fluglärm als erhebliches Umweltproblem). Die monotonen Geräusche treten meist in regelmäßigen Abständen auf, und sind nur für ein paar wenige Sekunden wahrnehmbar. Wer in der Nähe einer Zugstrecke wohnt weiß, wie schnell man sich an die immer wieder kehrende Geräuschkulisse gewöhnt und diese irgendwann gar nicht mehr bemerkt. Als deutlich störender wird der Lärm wahrgenommen, der unvorhersehbar und in längeren Abständen auftaucht.
Dazu zählt der Industrie- und Gewerbelärm, der von der Hälfte der Befragten als störend eingestuft wird, und so noch unter dem Nachbarschaftslärm liegt. Dabei handelt es sich um Baustellengeräusche, aber auch die Lärmkulisse von Sport- und Freizeitanlagen, wie beispielsweise Freibädern.
Der mit Abstand größte Störfaktor jedoch bleibt der Straßenverkehr. Ganze 76 % der befragten Deutschen fühlen sich regelmäßig von der Geräuschkulisse durch Fahrzeuge belästigt. Ob durchs Hupen der PKWs, laute Motorräder oder ein allgemein hohes Verkehrsaufkommen – der Straßenverkehr ist der störende Gewinner und Grund für viele schlaflose Nächte.

Lärm ist eines der zentralen Probleme des modernen Lebens | Foto: ©Westwind #1037479044 – stock.adobe.com
Die Auswirkungen von Lärm
Dabei bleibt es häufig nicht. Allein die Schlaflosigkeit kann schwere Probleme am Arbeitsplatz, sowie seelische Schäden im Alltag mit sich ziehen. Lärm macht vor allem eins, es stresst. Die konstante Lärmbelastung führt dazu, dass man an dem Ort, an dem man sich eigentlich entspannen sollte, nicht mehr zu Ruhe kommt und der angestaute Stresspegel sogar noch ansteigt. Da der Körper sich konstant in Alarmbereitschaft befindet, steigt das Risiko eine Angststörung zu erleiden um ganze 15 %. Auch das allgemeine Erkrankungsrisiko wird durch die Lärmbelastung um 11 % angehoben. Darüber hinaus gibt es weitere konkrete Krankheiten, die nachgewiesenermaßen durch die unerwünschten Geräusche begünstigt werden. Neben Bluthochdruck steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sogar Diabetes wird begünstigt. Das setzt vor allem ältere Mitbürger und Menschen mit Vorerkrankungen einem erheblichen Risiko aus. Selbstverständlich ist auch das Gehör betroffen: Lärmbedingter Hörverlust ist längst keine rein industrielle Erscheinung mehr.
Wer hier besonders anfällig ist, kann durch die konstante Verkehrsbelastung oder soziale Lärmquellen schwerwiegende Hörschäden erleiden.
Doch nicht nur der Mensch bleibt von seinem eigenen Lärm betroffen. Straßenverkehr sorgt bei Vögeln schon während des Heranwachsens im Ei für schwerwiegende Probleme. So werden Reaktionsvermögen und Instinkte deutlich geschwächt, was das Jagd- und Brutgebiet der Tiere enorm einschränkt. Daraus resultiert die Störung sensibler Ökosysteme – die Folgen auf Natur und Umwelt sind unvorhersehbar. Auch unsere liebsten Vierbeiner fühlen sich durch die Lärmbelastung gestresst. Die störenden Geräusche können auf Hund und Katze die gleichen Auswirkungen haben, wie auf den Menschen. Die Tiere werden ängstlich, träge und depressiv. Der Fakt wird noch trauriger, wenn man sich vor Augen hält, dass die Vierbeiner Geräusche in etwa doppelt bis vierfach so stark wahrnehmen wie wir.

Allein die Schlaflosigkeit kann schwere Probleme am Arbeitsplatz, sowie seelische Schäden im Alltag mit sich ziehen | Foto: ©von Lieres #81213701 – stock.adobe.com
Methoden zur Lärmeinschränkung
Dass Lärm eine der größten urbanen Umweltbelastungen für Mensch und Tier ist, sollte nun geklärt sein. Doch wie geht man am besten mit dieser realen Bedrohung für Leib und Seele um? Die Maßnahmen gegen den Lärm sind vielfältig. Eine beliebte Strategie im Kampf gegen die schädlichen Geräusche ist das Errichten von Schutzmauern. Sogenannte Lärmschutzwände leisten einen wesentlichen Beitrag für mehr Ruhe und Gesundheit im urbanen sowie ländlichen Raum. Jeder kennt die dünnen Wände an Autobahnen oder Schnellstraßen quer durch die Stadt. Die zwei bis drei Meter hohen Abtrennungen aus Aluminium und Kunststoff bremsen die schädlichen Schallwellen ab und sorgen in der Bevölkerung für ein ganzes Stück mehr Lebensqualität.
Ein regulatorischer Schritt, um die Lärmbelastung auf deutschen Straßen einzuschränken, könnte ein strengeres Tempolimit sein. Bei niedrigeren Geschwindigkeiten entsteht im Straßenverkehr weniger Lärm – und das im erheblichen Ausmaß. So sorgt bereits eine Eingrenzung des Tempolimits von 50 km/h auf 30 km/h innerorts für eine Reduzierung der Lärmbelastung um 50 %. Wenn man sich bewusst macht, dass das einer Halbierung des gesamten Verkehrsaufkommens entspricht, wird die Auswirkung dieser Maßnahme besonders deutlich. Der Schritt mag für viele radikal klingen, würde jedoch das Leben vieler Menschen deutlich verbessern und gleichzeitig die Umwelt entlasten.
Auch an den Autos selbst lässt sich einiges optimieren.
So könnten leise Reifen mit einer niedrigen Geräuschemissionsklasse den Störpegel deutlich senken. Gesetzliche Vorgaben hierzu würden den nötigen Anstoß geben. Auf der anderen Seite gibt es geräuscharme Straßenbelege, die zu einer erheblichen Reduzierung der Abrollgeräusche von Autos und Motorrädern beitragen würde. Dieser grobporige Flüsterasphalt nimmt gleichzeitig Regenwasser besser auf und verringert so die Gefahr von Hochwasserereignissen im urbanen Raum. Wird in Zukunft beim Bau neuer Straßen auf diesen Untergrund zurückgegriffen, so könnte auch hier eine Lärmreduzierung um ganze 50 % die Folge sein. Eine Kombination aus leisen Reifen und dem Flüsterasphalt könnte den Verkehrslärm schnell zu einem Problem der Vergangenheit machen.
Obwohl der Flugverkehr nur eine geringe Belastung darstellt, können auch hier von öffentlicher Seite Schritte unternommen werden. So würde ein Flugverbot von 22 bis 6 Uhr in der Nähe von Wohngebieten den Schlaf tausender Menschen sichern und gleichzeitig die Umwelt schonen.
Beim Nachbarschaftslärm können sowohl administrative als auch technische Lösungen Abhilfe schaffen. Werden in der Hausordnung oder mit dem Nachbarn feste Zeiten zum Rasenmähen vereinbart, fallen überraschende Störungen weg und der Lärm wird auf ein absehbares Minimum begrenzt. Wer häufig unter den Geräuschen des Nachbarn leidet und keine Besserung in Sicht sieht, sollte sich überlegen selbst vorsorgen. Mit ein paar wenigen Vorkehrungen kann man sich und sein zu Hause vor den schädlichen Schallwellen absichern. Dabei können Schallschutzwände und -türen Geräusche bis 50 Dezibel abhalten und sorgen in fast jedem Fall für die absolute Stille. Die Kosten muss man selbst tragen – die Lebensqualität und Gesundheit, die man sich dadurch zurückholt, ist jedoch unbezahlbar.
Fazit
Lärm stellt eine der größten Umweltbelastungen unserer Zeit dar. Die unerwünschten Geräusche machen gestresst, schlaflos und sogar krank. Dabei ist die häufigste Quelle der Straßenverkehr. Der Ausbau von Straßen mit Schutzwällen zeigt, dass die Kommunen hier Bemühungen unternehmen – Millionen von Menschen leiden jedoch weiter unter dem störenden Umweltphänomen.
Es bleibt zu hoffen, dass die Dringlichkeit des Problems besonders in Großstädten erkannt wird und weitere Schritte zur Bekämpfung des Lärms eingeleitet werden. Möglichkeiten gibt es genug – von geräuscharmen Straßenbelegen über leise Reifen bis hin zur Verschärfung des Tempolimits warten vielfältige Lösungen, die Abhilfe schaffen könnten.