
Nachhaltigkeitssiegel in der Modebranche | Foto: ©js-photo #242990395 – stock.adobe.com
Beim Kauf von Kleidung achten immer mehr Menschen nicht nur auf modische Aspekte und eine attraktive Optik, sondern auch auf Nachhaltigkeit. Es geht darum, dass die Kleidung frei von Schadstoffen ist, unter fairen Bedingungen hergestellt wurde und die Ressourcen geschont werden.
Um Nachhaltigkeit zu kennzeichnen, haben Nachhaltigkeitssiegel in der Modebranche eine wichtige Bedeutung.
Bedeutung eines Nachhaltigkeitssiegels für Textilien
Mit einem Siegel werden bestimmte Eigenschaften von Textilien gekennzeichnet. Zumeist geht es um sozial verträgliche und ökologische Herstellungsbedingungen. Eine Organisation erhält nur dann ein Gütesiegel, wenn sie festgesetzte Standards einhält.
Damit ein Siegel vergeben werden kann, wird der Hersteller regelmäßig auf die Einhaltung der Standards kontrolliert. Die Organisation, die für die Vergabe des Siegels zuständig ist, nimmt regelmäßig Qualitätskontrollen vor, die auf verschiedenen übergeordneten Gesetzesgrundlagen von UN und EU basiert.
Die Siegel können sich auf einzelne Produktionsschritte wie den Anbau von Baumwolle, aber auch auf die komplette Wertschöpfungskette beziehen.
Im Jahr 2010 achteten nur 5 Prozent der deutschen Verbraucher aktiv auf Nachhaltigkeit in der Modebranche. Im Jahr 2024 waren es bereits mehr als 45 Prozent.
Um ein Textilsiegel zu erhalten, müssen die folgenden Kriterien erfüllt sein:
- unabhängige Vergabe durch eine akkreditierte Institution
- transparente Kriterienkataloge
- regelmäßige Kontrollen vor Ort
- öffentlich zugängliche Prüfberichte

Mit einem Siegel werden bestimmte Eigenschaften von Textilien gekennzeichnet | Foto: ©triocean #650166115 – stock.adobe.com
OEKO-TEX als bekanntes Siegel für Nachhaltigkeit
Zum OEKO-TEX System gehören mehrere Siegel für Nachhaltigkeit. OEKO-TEX bietet seit 1992 maßgeschneiderte Lösungen für Produktverantwortung und Verbraucherschutz an. Werkzeuge für das Management und die Kommunikation von Nachhaltigkeits- und Sicherheitsbemühungen werden bereitgestellt.
Das System ist modular und gewährleistet, dass die Dienstleistungen nahtlos ineinandergreifen. So sind Transparenz, Rückverfolgbarkeit und Kostenreduzierung entlang der Liefer- und Textilketten möglich.
Unternehmen, die ein OEKO-TEX-Siegel erhalten möchten, müssen dafür einen Antrag ausfüllen. Ein solches Siegel kennzeichnet mehrere Eigenschaften:
- nachhaltige Beschaffung
- verantwortungsbewusster Umgang mit Chemikalien
- effiziente Nutzung der Ressourcen
- sozialverträgliche Arbeitsbedingungen
- umweltverträgliche Produktionstechnologien
- transparentes Lieferkettenmanagement
- wirksamer Verbraucherschutz
Abhängig von den Produkten können von OEKO-TEX mehrere Siegel vergeben werden. Am bekanntesten sind die Siegel OEKO-TEX Standard 100 und OEKO-TEX Made in Green.
OEKO-TEX Standard 100 für Schadstofffreiheit
OEKO-TEX Standard 100 steht für schadstoffgeprüfte Textilien. Die Textilien werden auf gesundheitsschädliche Substanzen getestet. Dabei handelt es sich um reglementierte, gesetzlich verbotene Substanzen, aber auch um Chemikalien, die gesundheitsbedenklich und noch nicht gesetzlich erfasst sind.
Alle Bestandteile eines Kleidungsstücks, darunter auch Fäden und verschiedene Details wie Knöpfe, werden auf Schadstoffe geprüft, damit das Produkt gesundheitlich unbedenklich ist.
Dabei werden unterschiedliche Produktklassen wie Ausstattungsmaterialien, Hautkontakt, ohne Hautkontakt sowie Babys und Kleinkinder unterschieden.
OEKO-TEX Made in Green für soziale Verantwortung und umweltfreundliche Herstellung
Das Siegel OEKO-TEX Made in Green wird für Textil- und Lederprodukte vergeben, um zu garantieren, dass sie unter fairen, sozial verantwortlichen Arbeitsbedingungen und in umweltfreundlichen Prozessen hergestellt wurden. Darüber hinaus steht das Siegel dafür, dass die Kleidungsstücke schadstoffgeprüft sind.
Verbraucher können anhand einer eindeutigen Produkt-ID, die jedes Produkt erhält, die gesamte Lieferkette nachvollziehen. Zusätzlich können Verbraucher einen QR-Code scannen. Um Aktualität zu gewährleisten, ist dieses Label nur ein Jahr lang gültig und muss dann neu beantragt werden.

Das Siegel OEKO-TEX Made in Green wird für Textil- und Lederprodukte vergeben | Foto: ©OEKO-TEX
Weitere wichtige Nachhaltigkeitssiegel für Textilien
Es gibt noch verschiedene weitere Nachhaltigkeitssiegel für Textilien, für deren Vergabe unterschiedliche Kriterien gelten und die unterschiedliche Eigenschaften oder Bereiche betreffen. Nachfolgend werden die wichtigsten Nachhaltigkeitssiegel kurz vorgestellt.
GOTS als Goldstandard für nachhaltige Textilien
GOTS ist die Abkürzung für Global Organic Textile Standard und ist international gültig. Das GOTS-Siegel gilt als umfassendster und strengster Standard für nachhaltige Textilien. Mindestens 70 Prozent der verwendeten Fasern müssen aus kontrolliertem biologischem Anbau kommen.
Trägt ein Produkt den Zusatz Organic, müssen sogar mindestens 95 Prozent der Fasern einem kontrollierten biologischen Anbau entstammen.
Dieses Siegel deckt die gesamte Produktionskette vom Anbau der Rohstoffe über eine sozialverträgliche und umweltfreundliche Herstellung bis hin zur Kennzeichnung ab. Der Einsatz von Schadstoffen wie funktionellen Nanopartikeln, toxischen Schwermetallen, Formaldehyd und genetisch veränderten Organismen ist verboten.
Grüner Knopf als Deutschlands staatliches Siegel
Der Grüne Knopf ist ein Meta-Siegel, das auf anerkannten Standards aufbaut. Um ihn zu erhalten, müssen Unternehmen bereits andere Zertifizierungen wie OEKO-TEX, GOTS oder Fairtrade nachweisen. Als weltweit erstes staatliches Textilsiegel wurde der Grüne Knopf 2019 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung eingeführt.
Um den Grünen Knopf zu erhalten, müssen Unternehmen 20 Kriterien für das Unternehmen selbst sowie 26 Kriterien für das Produkt erfüllen. Der Grüne Knopf deckt die Produktionsschritte „Zuschneiden und Nähen“ sowie „Bleichen und Färben“ ab. Er soll ab August 2026 auch um Anforderungen an die Rohstoffgewinnung und Fasereinsatz erweitert werden.

Der Grüne Knopf ist ein Meta-Siegel, das auf anerkannten Standards aufbaut | Foto: ©Grüner Knopf
Fairtrade für fairen Anbau und fairen Handel
Nicht nur für Produkte wie Schokolade oder Kaffee, sondern auch für Baumwolle kann das Fairtrade-Siegel vergeben werden. Es wird für den fairen Anbau und Handel von Rohbaumwolle vergeben. Baumwollbauern können aufgrund von Prämien für eine ökologische Landwirtschaft und des Fairtrade-Mindestpreises die Kosten für die nachhaltige Produktion decken.
Die gesamte textile Wertschöpfungskette ist mit diesem Siegel abgedeckt. Das Siegel soll die höchsten Sozialstandards, ein Chemikalienverbot in der Landwirtschaft, nachhaltigen Anbau und die Unterstützung von Familienbetrieben in Entwicklungsländern garantieren.
Mit dem Fairtrade Textile Production Siegel, das seit 2016 existiert, wird die gesamte Lieferkette abgedeckt. Unternehmen sind dazu verpflichtet, innerhalb von sechs Jahren existenzsichernde Löhne zu zahlen. Mindestens 50 Prozent der enthaltenen Fasern müssen aus einer verantwortungsvollen Produktion stammen.
Fair Wear Foundation für bessere Arbeitsbedingungen
Das Siegel der Fair Wear Foundation (FWF) wird von einer niederländischen Multi-Stakeholder-Initiative vergeben. Dabei steht die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie im Vordergrund. FWF ist eine Mitgliedsorganisation, bei der Marken Mitglied werden und sich zu einer kontinuierlichen Verbesserung verpflichten.
Im Fokus stehen bei diesem Siegel die Arbeitsschritte Zuschneiden, Nähen und Verpacken, denn sie werden von 75 Prozent der weltweit tätigen Textilarbeiter ausgeführt.
Dabei müssen die folgenden Arbeitsstandards eingehalten werden:
- keine Kinderarbeit
- keine Zwangsarbeit
- Vereinigungsfreiheit
- sichere Arbeitsbedingungen
- existenzsichernde Löhne
- angemessene Arbeitszeiten
- keine Diskriminierung
- rechtsverbindliche Arbeitsverträge
Better Cotton als weltweit größtes Nachhaltigkeitsprogramm für Baumwolle
Better Cotton ist eine Initiative und das weltweit größte Nachhaltigkeitsprogramm für Baumwolle. Schon jetzt produzieren Bauern, die dieser Initiative angehören, 23 Prozent der globalen Baumwolle. Dabei liegt der Fokus auf Pflanzenschutz, Bodengesundheit, Wassermanagement und menschenwürdiger Arbeit.



