
Wie kann die Welt gerechter und klimafreundlicher werden | Foto: ©(JLco) Julia Amaral #1880886745 – stock.adobe.com
Klimaschutz ist ein wichtiges Thema. Eine klimafreundliche Welt lässt sich sogar mit Wohlstand vereinbaren, wie eine Studie des World Inequality Lab ergab. Dabei handelt es sich jedoch um modellbasierte Szenarien und keine gesicherten Prognosen. Bei einer Begrenzung der Erderhitzung auf unter etwa 2 Grad (je nach Szenario, nicht exakt 1,8 Grad als fest definierter Wert) könnten 89 Prozent der Weltbevölkerung ihr Einkommen verdoppeln. Das globale Klima wird dabei in den Modellen als zentraler Stabilitätsfaktor für diese Entwicklung betrachtet.
Ist Klimaschutz mit Wohlstand vereinbar?
Politische Debatten stellen Klimaschutz und wirtschaftliches Wachstum oft als Gegensätze dar. Das World Inequality Lab untersuchte in einer Studie um den Ökonomen Thomas Piketty, ob diese Ziele tatsächlich gegensätzlich sind. Die Studie ergab, dass eine gerechtere Welt den Lebensstandard der meisten Menschen verbessern und die Erderhitzung gleichzeitig auf ein vertretbares Maß begrenzen könnte. Dies gilt jedoch nur unter sehr weitreichenden Annahmen wie globaler Umverteilung, schneller Dekarbonisierung und stark verändertem Konsumverhalten.
Der Global Justice Report betont, dass innerhalb der planetaren Grenzen ein gutes Leben materiell für die meisten Menschen möglich ist. Wichtig sind dafür die richtigen politischen Entscheidungen.

Politische Debatten stellen Klimaschutz und wirtschaftliches Wachstum oft als Gegensätze dar | Foto: ©Arthon #1913982335 – stock.adobe.com
Wie ist eine gerechte und klimafreundlichere Welt erreichbar?
Der Bericht zeigt einen Entwicklungspfad auf, wie sich planetare Grenzen und soziale Gerechtigkeit im Bereich Umwelt miteinander verbinden lassen. Dabei nennen die Autoren die folgenden Voraussetzungen:
- Deutliche Verringerung des Verbrauchs an materiellen Ressourcen
- Schnelle Dekarbonisierung der Energiesysteme
- Gravierende Veränderungen bei Landnutzung, Ernährung und Konsum
- Abschaffung der Ungleichheiten bei Vermögen, Einkommen und Macht (in der Forschung meist als „starke Reduktion“ oder „Umverteilung“ formuliert, nicht als vollständige Abschaffung)
Diese Ziele müssen laut Argumentation der Forscher zusammen gedacht werden, da Klimaschutz politisch ohne soziale Gerechtigkeit kaum durchsetzbar ist. Eine gerechtere Welt kann langfristig auch nicht ohne Klimaschutz aufgebaut werden.

Wie ist eine gerechte und klimafreundlichere Welt erreichbar? | Foto: ©Deemerwha studio #840571555 – stock.adobe.com
Gerechtere Vermögensverteilung
Ein wichtiger Schwerpunkt des Berichts ist eine gerechte Vermögensverteilung. Von der Weltbevölkerung sind nur 0,001 % Milliardäre (Zahl je nach Definition eher zu hoch angesetzt; real liegt der Anteil deutlich niedriger, näher bei 0,00003–0,00004 %) und die insgesamt ungefähr sechs Prozent des weltweiten Vermögens besitzen. Würde das Vermögen gerechter verteilt werden, läge der Anteil der Milliardäre am globalen Vermögen nur noch bei einem sehr kleinen Bruchteil (genaue Werte hängen stark vom Modell ab und sind nicht robust).
Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung hat gegenwärtig nur einen Anteil von zwei Prozent am globalen Vermögen.
Ihr Anteil könnte auf etwa 30 Prozent ansteigen. Dies ist ein starkes Umverteilungsszenario und keine realistische Prognose.
Die Veränderung bei der Verteilung des Vermögens ist laut der Forscher ein Beitrag zu mehr Gerechtigkeit, aber auch eine Voraussetzung, um die globale Energiewende zu finanzieren. Gleichzeitig könnte mehr Geld in Gesundheit und Bildung investiert werden.
Wie kann Wohlstand neu definiert werden?
Lebensqualität muss laut der Studie des World Inequality Lab nicht von einem höheren Konsum abhängen. Vielmehr geht es darum, weniger Ressourcen zu verbrauchen und den Fokus stärker auf Gesundheit und Bildung zu richten. Die Rede ist von Suffizienz.
Die folgenden Faktoren könnten eine bessere Lebensqualität ausmachen:
- Geringerer Verbrauch an Material
- Veränderungen bei Landnutzung und Ernährung
- Deutlich kürzere Arbeitszeiten (nur in bestimmten Modellannahmen, nicht als erwartbarer Durchschnittseffekt)
- Weniger ressourcenintensive Konsummuster
- Verstärkte Investitionen in erneuerbare Energien
- Stärkere Besteuerung von großen Vermögen
- Mehr Ausgaben für Gesundheit und Bildung
In ihrem Szenario zeigen die Forscher, dass die Menschen in der ganzen Welt nur noch halb so lange arbeiten müssten wie heute. Dies ist ein theoretisches Ergebnis eines Extrem-Szenarios und keine realistische Prognose. Die Wirtschaftsstruktur müsste sich gleichzeitig mehr in ressourcenschonendere Bereiche wie Gesundheit und Bildung verschieben.

Lebensqualität muss laut der Studie des World Inequality Lab nicht von einem höheren Konsum abhängen | Foto: ©Carlos Rodelas Media #2047447275 – stock.adobe.com
Verdopplung des Einkommens für die meisten Menschen weltweit
Die Forscher haben für ihren Bericht verschiedene Zukunftsszenarien bis zum Jahr 2100 untersucht. Das ambitionierteste Szenario zeigt, dass 89 Prozent der Weltbevölkerung ihr Einkommen verdoppeln könnten. Dies gilt nur unter stark voraussetzungsreichen Bedingungen (globale Umverteilung, starke Klimapolitik, sinkender Ressourcenverbrauch in reichen Ländern).
Die globale Erwärmung würde gleichzeitig bis zum Ende dieses Jahrhunderts unter etwa 2 Grad in diesem Modellrahmen bleiben (dies ist nicht als gesicherte Klimaprognose zu verstehen).
Werden keine grundlegenden Veränderungen vorgenommen, würde sich die Erde hingegen bis zum Jahr 2100 auf mehr als vier Grad erwärmen.
Wie realistisch sind die Ziele?
Der Bericht ist keine Vorhersage, sondern er zeigt lediglich Szenarien für eine klimafreundlichere und gleichzeitig gerechtere Welt auf. Die Forscher stellen einen ökonomisch und ökologisch konsistenten Transformationspfad vor, wie sich eine gerechtere und klimaverträgliche Zukunft bis 2100 realisieren lässt.
Um die zentralen Voraussetzungen des Modells tatsächlich umzusetzen, muss die Politik aktiv werden. Technische Voraussetzungen lassen sich eher realisieren als politische. Um das Vermögen umzuverteilen, kommt es auf sehr weitreichende Reformen der internationalen Finanz- und Steuerordnung an.



