
Legionellen im Wasser: Risiken, Krankheiten und Schutzmaßnahmen | Foto: ©Stockfotos-MG #964523216 – stock.adobe.com
Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die in natürlichen Gewässern wie Seen, Flüssen und Grundwasser vorkommen. Sie gehören zur Gattung Legionella, die mehr als 60 Arten umfasst, von denen einige für den Menschen gesundheitsschädlich sind.
Legionella pneumophila: Die gefährlichste Art
Besonders gefährlich für den Menschen ist die Art Legionella pneumophila, die für die meisten Krankheitsfälle verantwortlich ist. Legionellen sind in geringer Zahl in der Umwelt weit verbreitet, werden aber erst dann problematisch, wenn sie sich in technischen Wassersystemen stark vermehren.
Diese Bakterien sind äußerst anpassungsfähig und überleben in einem weiten Temperaturbereich.
Sie vermehren sich besonders gut in warmem Wasser mit einer Temperatur zwischen 25 und 45 Grad Celsius. Temperaturen über 60 Grad Celsius töten Legionellen jedoch zuverlässig ab. Wegen dieser Eigenschaften sind Warmwasseranlagen, Duschen, Whirlpools und Klimaanlagen bevorzugte Brutstätten für diese Erreger.

Besonders gefährlich für den Menschen ist die Art Legionella pneumophila, die für die meisten Krankheitsfälle verantwortlich ist | Foto: ©john #869169157 – stock.adobe.com
Wie können Legionellen entstehen?
Legionellen entstehen und vermehren sich, wenn die Bedingungen für ihr Wachstum optimal sind. Dafür müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
- Wassertemperaturen zwischen 25°C und 45°C: In diesem Temperaturbereich können sich Legionellen rasant vermehren. Besonders problematisch sind Warmwasserleitungen, in denen die Temperatur nicht hoch genug ist.
- Lange Standzeiten des Wassers: In selten genutzten Leitungen oder Wasserspeichern können sich Legionellen ungehindert ausbreiten.
- Biofilme in Rohren und Leitungen: Legionellen können sich in Biofilmen (Schichten aus Mikroorganismen und Ablagerungen) in Wasserleitungen ansiedeln und dort vor Desinfektionsmaßnahmen geschützt überleben.
- Mangelnde Wartung von Wasseranlagen: Unzureichende Reinigung und Desinfektion von Wassersystemen, insbesondere in großen Gebäuden wie Krankenhäusern oder Hotels, erhöhen das Risiko einer Legionellenkontamination.

In selten genutzten Leitungen oder Wasserspeichern können sich Legionellen ungehindert ausbreiten | Foto: ©Sharne T/peopleimages.com #618787770 – stock.adobe.com
Welche Krankheiten verursachen Legionellen?
Legionellen können zwei Hauptkrankheiten verursachen:
Legionärskrankheit
Die Legionärskrankheit ist eine schwere Form der Lungenentzündung (Pneumonie), die durch das Einatmen von legionellenhaltigen Wassertröpfchen verursacht wird. Die typischen Symptome treten meist innerhalb von 2 bis 10 Tagen nach der Infektion auf und setzen sich wie folgt zusammen:
- Hohes Fieber (über 39 Grad Celsius)
- Husten (trocken oder mit Auswurf)
- Atemnot • Muskelschmerzen
- Schüttelfrost
- Verwirrtheit
- Kopfschmerzen
- Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall oder Übelkeit
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Raucher, Patienten mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Lungenerkrankungen. Unbehandelt kann die Legionärskrankheit tödlich verlaufen.
Pontiac-Fieber
Das Pontiac-Fieber ist eine mildere Form der Legionelleninfektion. Die Symptome ähneln einer Grippe und umfassen Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und allgemeines Unwohlsein.
Im Gegensatz zur Legionärskrankheit verursacht das Pontiac-Fieber keine Lungenentzündung und klingt innerhalb weniger Tage von selbst ab.

Das Pontiac-Fieber ist eine mildere Form der Legionelleninfektion | Foto: ©Syda Productions #523805104 – stock.adobe.com
Warum sind Legionellen so gefährlich?
Legionellen sind aus mehreren Gründen besonders gefährlich. Die Legionärskrankheit kann in schweren Fällen tödlich verlaufen. Ohne Behandlung liegt die Sterblichkeitsrate bei bis zu 30 %. Da die Symptome einer normalen Lungenentzündung ähneln, wird die Legionärskrankheit oft erst spät erkannt. Spezielle Tests auf Legionellen sind notwendig, werden aber nicht immer routinemäßig durchgeführt.
Legionellen werden nicht durch den direkten Kontakt mit Wasser oder durch das Trinken von infiziertem Wassers übertragen.
Stattdessen gelangen sie durch feinste Wassertröpfchen (Aerosole) in die Lunge, z. B. beim Duschen, in Whirlpools oder durch Klimaanlagen. Besonders übel: In Biofilmen in Wasserleitungen können Legionellen überleben und sich vermehren, selbst wenn Desinfektionsmaßnahmen ergriffen werden.
Wie kann eine Erkrankung geheilt werden?
Die Behandlung der Legionärskrankheit erfolgt in der Regel mit Antibiotika, insbesondere mit Makroliden (z. B. Azithromycin) oder Fluorchinolonen (z. B. Levofloxacin). Die Behandlung sollte so früh wie möglich beginnen, um schwere Komplikationen zu vermeiden.
In schweren Fällen ist ein Krankenhausaufenthalt mit Sauerstofftherapie und intensivmedizinischer Betreuung erforderlich. Das Pontiac-Fieber hingegen heilt in der Regel ohne spezielle Behandlung von selbst aus.

Die Behandlung der Legionärskrankheit erfolgt in der Regel mit Antibiotika, insbesondere mit Makroliden (z. B. Azithromycin) oder Fluorchinolonen (z. B. Levofloxacin) | Foto: ©KMPZZZ #900611622 – stock.adobe.com
Regelungen der Trinkwasserverordnung in Deutschland zur Legionellenprüfung
In Deutschland regelt die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) die Anforderungen an die Trinkwasserqualität und enthält spezielle Bestimmungen zur Legionellenprüfung. Betreiber von Trinkwasseranlagen müssen folgende Vorschriften beachten:
- Untersuchungspflicht für Großanlagen
Betreiber von Großanlagen zur Trinkwassererwärmung sind verpflichtet, ihr Wasser regelmäßig auf Legionellen zu untersuchen. Dies gilt insbesondere für Gebäude mit Duschen und öffentlichen Wasserinstallationen, wie Hotels, Krankenhäuser oder Pflegeheime. - Untersuchungsintervalle
Bei gewerblich genutzten Immobilien mit Warmwasseranlagen, die Duschen oder andere Vernebelungseinrichtungen haben, muss mindestens alle drei Jahre eine Legionellenprüfung durchgeführt werden. Bei öffentlichen Gebäuden erfolgt die Prüfung jährlich. - Technischer Maßnahmenwert
Wird ein Wert von 100 KBE (koloniebildende Einheiten) pro 100 ml Wasser überschritten, müssen Maßnahmen ergriffen werden. Dazu gehören die Information des Gesundheitsamts, die Durchführung einer Gefährdungsanalyse und gegebenenfalls Sanierungsmaßnahmen. - Maßnahmen bei Überschreitung des Grenzwerts
Bei zu hohen Legionellenwerten müssen betroffene Wasserleitungen thermisch oder chemisch desinfiziert werden. Falls erforderlich, können bauliche Maßnahmen, wie der Austausch von Rohrleitungen oder Speichern, notwendig sein.
Schutzmaßnahmen zur Vorbeugung von Legionellen
Um Legionellenbefall zu verhindern, sollten folgende Maßnahmen eingleitet werden:
- Wassertemperatur richtig einstellen: Warmwasser sollte auf mindestens 60°C erhitzt werden, da Legionellen erst bei diesen Temperaturen absterben. Kaltwasser sollte unter 20°C bleiben.
- Regelmäßiger Wasseraustausch: In selten genutzten Leitungen sollte das Wasser regelmäßig durchgespült werden, um stehendes Wasser zu vermeiden.
- Wartung von Wasseranlagen: Regelmäßige Kontrolle und Reinigung von Warmwasserspeichern, Filtern und Duschköpfen.
- Vermeidung von Biofilmen: Rohrleitungen sollten so konstruiert sein, dass Ablagerungen minimiert werden.
- Verwendung geeigneter Materialien: Kunststoffrohre begünstigen Biofilmwachstum. Edelstahl oder Kupfer sind resistenter gegen Ablagerungen.
Fazit
Legionellen sind gefährliche Bakterien, die in warmem Wasser ideale Bedingungen zur Vermehrung finden. Sie können schwere Erkrankungen wie die Legionärskrankheit verursachen und stellen insbesondere für geschwächte Personen ein erhebliches Risiko dar. Die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften zur Legionellenprüfung sowie präventive Maßnahmen wie regelmäßige Wartung, hohe Wassertemperaturen und ein kontinuierlicher Wasseraustausch können helfen, Legionellenbefall zu verhindern.
Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung sind entscheidend, um schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden.