
Verträgliche Apfelsorten und ihre Wirkung auf Apfel- und Birkenpollenallergien | Foto: ©New Africa #1431633827 – stock.adobe.com
Unter einer Apfelallergie leiden ungefähr zwei Millionen Bundesbürger. Doppelt belastet sind viele, die auch unter einer Birkenpollenallergie leiden. Sie reagieren allergisch sowohl auf Birkenpollen als auch auf Äpfel. Dabei handelt es sich um eine Kreuzallergie.
Eine Apfeltherapie verspricht Linderung, damit Menschen mit Birkenpollenallergie das Frühjahr uneingeschränkt genießen und sich wieder problemlos in der freien Natur aufhalten können. Bei dieser Apfelkur werden regelmäßig allergenarme Äpfel mit einem hohen Polyphenolgehalt verzehrt. Dabei handelt es sich meist um ältere Apfelsorten.
Mehr Lebensqualität für Apfelallergiker
Die Lemgoer Ortsgruppe im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) setzt sich für die Erhaltung alter Apfelbäume ein. Sie startete im Jahr 2005 ein Projekt, um Apfelallergikern wieder zu mehr Lebensqualität zu verhelfen. Bereits damals lagen der Lemgoer Ortsgruppe Informationen darüber vor, dass viele Allergiker bestimmte Apfelsorten von Streuobstwiesen gut vertrugen.
Allerdings fehlten zu Beginn des Projekts noch Informationen, welche Apfelsorten für Allergiker geeignet sind und welche allergische Reaktionen auslösen. Aus diesem Grund wurden bundesweit Apfelallergiker aufgerufen mitzuteilen, welche Apfelsorten für sie gut verträglich und welche unverträglich waren.
Die Ortsgruppe Lemgo des BUND hebt mit ihrem Projekt die Bedeutung von Streuobstwiesen hervor und zeigt die Verbindung zwischen Ernährung und Gesundheit.
Um mit einer Apfelkur die Beschwerden von Allergikern zu lindern, führte die Lemgoer Ortsgruppe des BUND zusammen mit dem Lemgoer Institut für Lebensmitteltechnologie der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe eine Analyse über die gesundheitsfördernde Wirkung von Polyphenolen durch.
Im Rahmen der Umfrage und der Analyse wurde festgestellt, dass ältere Apfelsorten mit einem hohen Polyphenolgehalt zu einer Desensibilisierung beitragen können. Apfelsorten mit einem geringen Polyphenolgehalt, die häufig in Supermärkten angeboten werden, sind für Allergiker eher ungeeignet.

Die Ortsgruppe Lemgo des BUND hebt mit ihrem Projekt die Bedeutung von Streuobstwiesen hervor und zeigt die Verbindung zwischen Ernährung und Gesundheit | Foto: ©Bomenius #219742304 – stock.adobe.com
Zusammenhang von Birkenpollenallergie und Apfelallergie
Angaben von Professor Dr. Bergmann vom Allergiezentrum der Berliner Charité zufolge leiden 10 bis 15 Prozent der Bundesbürger unter einer Birkenpollenallergie. Die Tendenz ist steigend. Die Birkenpollenallergie ist eng mit einer Apfelallergie verwandt. Mehr als 80 Prozent der Birkenpollenallergiker leiden auch unter einer Apfelallergie.
Bei dieser Kreuzallergie von Apfel und Birke handelt es sich um ein orales Allergiesyndrom beim Verzehr. Es kommt zu Beschwerden im Bereich der Mund- und Rachenschleimhäute, darunter Kribbeln und Juckreiz, Kratzen im Hals, brennendes oder pelziges Gefühl auf der Zunge sowie Schwellungen an Zunge, Lippen und Mundschleimhaut. Bei Menschen, die zusätzlich unter Neurodermitis leiden, kommt es beim Verzehr von birkenpollenassoziierten Lebensmitteln auch zu Hautverschlechterungen.
Der Grund, warum die meisten Birkenpollenallergiker auch unter einer Apfelallergie leiden, besteht darin, dass das in Birkenpollen enthaltene Protein nahezu identisch mit dem in Äpfeln enthaltenen Protein ist.

Die Birkenpollenallergie ist eng mit einer Apfelallergie verwandt. Mehr als 80 Prozent der Birkenpollenallergiker leiden auch unter einer Apfelallergie | Foto: ©wifesun #1908530586 – stock.adobe.com
Studie zur Verträglichkeit alter Apfelsorten
Apfelallergiker informierten im Jahr 2014 den BUND Lemgo darüber, dass sie durch den Konsum von verträglichen Apfelsorten eine Desensibilisierung erreichen konnten. Diese Erkenntnisse wurden dem Allergiezentrum der Berliner Charité gemeldet.
Professor Dr. Karl-Christian Bergmann vom Allergiezentrum der Charité erklärte, dass eine Desensibilisierung mit Spritzen, die drei Jahre lang dauert, nur bei 50 Prozent der Apfelallergiker erfolgreich ist.
Eine solche medikamentöse Desensibilisierung ist keine dauerhafte Lösung und nicht frei von Nebenwirkungen. Um eine Apfeltherapie als alternative Behandlungsmethode für Apfelallergiker zu entwickeln, mussten die Apfelsorten herausgefunden werden, die gut verträglich sind. Unter Professor Dr. Bergmann von der Charité wurde dafür im Jahr 2016 eine Studie mit mehr als 100 Teilnehmern durchgeführt.
Die Studienteilnehmer wurden gebeten, einen Apfel der Sorte Golden Delicious zu essen. Dabei handelt es sich um eine neuere Apfelsorte, die arm an Polyphenolen und weniger gut verträglich ist. Die Teilnehmer wurden aufgefordert, über ihre Symptome zu berichten.
Über einen Zeitraum von 90 Tagen verzehrten die Studienteilnehmer täglich einen Apfel der älteren Sorten Roter Boskoop, Alkmene, Goldparmäne oder Eifeler Rambur. Alle vier Sorten wurden gut vertragen und führten teilweise zu einer vollständigen Desensibilisierung oder wenigstens zu einer deutlichen Linderung. Im Folgejahr berichteten die Studienteilnehmer darüber, dass sie auch Linderung bei ihrer Birkenpollenallergie verspürten.
Zum Ende der Studie erhielten die Teilnehmer noch einmal einen Apfel der Sorte Golden Delicious. Eventuelle Reaktionen wurden protokolliert. Die Reaktionen auf diese Apfelsorte waren nach der Apfelkur deutlich geringer. Die Studienteilnehmer konnten nicht nur einen halben, sondern einen dreiviertel Apfel der Sorte Golden Delicious essen und empfanden die allergischen Symptome als weniger schwerwiegend.
Unter der Leitung von Facharzt für Dermatologie Professor Dr. Klaus Eisendle aus Bozen wurde eine dreijährige Studie durchgeführt. Die Ergebnisse zeigten, dass mit einer Apfeltherapie auch die Symptome einer Birkenpollenallergie dauerhaft gelindert werden können. Professor DDr. Eisendle empfiehlt eine Apfeltherapie als sinnvolle Alternative zu einer Desensibilisierung mit Spritzen und weist auf die Bedeutung von Apfelsorten mit einem hohen Polyphenolgehalt hin. Ein Anzeichen für einen hohen Polyphenolgehalt bei einem Apfel ist, dass sich die Schnittfläche nach dem Anschneiden schnell braun färbt.
Ergebnisse der neuesten Umfrage zum Thema Apfelallergie
Im Jahr 2025 führte die Lemgoer Ortsgruppe des BUND erneut eine Umfrage zum Thema Apfelallergie durch. Über 20 Jahre und länger hatten ungefähr 80 Prozent der Teilnehmer auf Empfehlung der Ärzte auf Äpfel verzichtet.
Seit mehr als 20 Jahren waren auch mehr als 85 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage von einer Birkenpollenallergie betroffen.
Von den Befragten gaben 19 Prozent an, dass sie wieder alle Apfelsorten vertragen, nachdem sie die Apfeltherapie durchgeführt hatten. Weitere 50 Prozent sprachen von einer wesentlichen Verminderung der Beschwerden. Von den Betroffenen mit einer Birkenpollenallergie sagten über 60 Prozent der Teilnehmer, dass sich ihre Beschwerden nach der Apfeltherapie wesentlich verringert haben.
Apfeltherapie als alternative Behandlungsmethode
Eine Apfeltherapie, bei der täglich allergenarme Äpfel konsumiert werden, ist eine sinnvolle Alternative zu einer Desensibilisierung mit Spritzen. Sie kann auch die Beschwerden einer Birkenpollenallergie lindern.
Über einen längeren Zeitraum können Äpfel einer gut verträglichen Sorte verzehrt werden. Um eine vollständige Desensibilisierung zu erreichen, können später auch Äpfel gegessen werden, bei denen die allergene Belastung höher ist. Die Apfelkur sollte mindestens zwei Jahre lang durchgeführt werden, um auch die Beschwerden einer Birkenpollenallergie dauerhaft zu lindern. Eine Apfeltherapie ist deutlich kostengünstiger als eine Desensibilisierung mit Spritzen, die Kosten von mehreren Tausend Euro verursachen kann.
Gut verträgliche Apfelsorten wie Boskoop, Alkmene, Eifeler Rambur und Goldparmäne sind eher selten in Supermärkten und auf Wochenmärkten erhältlich. Der pdf-Bericht zur Studie steht hier zur Verfügung.



