
Nicht die Energiewende, sondern das Festhalten an fossilen Energieträgern ist teuer | Foto: ©qiujusong #1927440142 – stock.adobe.com
Das Energiewirtschaftliche Institut (EWI) an der Universität zu Köln sorgte Anfang Februar 2026 mit einer umfassenden Analyse für Aufsehen. Die Forscher untersuchten die Kostenentwicklung zwischen 2010 und 2024 und kamen zu dem Ergebnis, dass nicht die Energiewende, sondern das Festhalten an fossilen Energieträgern teuer ist.
Die Energieökonomin Prof. Dr. Claudia Kemfert hat ein Buch mit dem Titel „Kurzschluss“ veröffentlicht und setzt sich darin mit den Mythen über die Energiewende auseinander.
Spätfolgen der fossilen Abhängigkeit als Kostentreiber
Die Studie bestätigte einen realen Anstieg der Systemkosten auf 30 Cent pro Kilowattstunde. Nicht Wind- und Solaranlagen sind die Treiber dieser Entwicklung, sondern die Spätfolgen der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.
Die Hauptfaktoren für diese Entwicklung sind der gewollte Anstieg der CO2-Preise und die Verdopplung der Gaspreise nach dem russischen Angriffskrieg. Sinkende Verbräuche führen zu statistisch höheren Netzentgelten.
Der gestiegene Photovoltaik-Eigenverbrauch wirft Verteilungsfragen auf.
Laut der Studie des EWI sind die Ausgaben für das Stromsystem in Deutschland seit 2010 jährlich real um durchschnittlich 4,1 Prozent gestiegen. Die Beschleunigung seit 2018 fällt auf. Der durchschnittliche Anstieg von 2010 bis 2017 lag bei 0,7 Prozent pro Jahr. Die Ausgaben explodierten danach inflationsbereinigt auf ungefähr 8,1 Prozent pro Jahr.
Die gesamten Systemausgaben betrugen 2024 pro abgenommener Kilowattstunde der allgemeinen Stromversorgung 30 Cent. Dieser Wert lag 2010 noch bei 17 Cent pro Kilowattstunde.

Spätfolgen der fossilen Abhängigkeit als Kostentreiber | Foto: ©ArtVader #532506997 – stock.adobe.com
Kostentreiber für die Energiepreise
Die Studie des EWI stellte drei große Kostentreiber für die Energiepreise fest:
- Verdopplung der Brennstoffkosten seit 2018
- EU-Emissionshandel, der nach der Reform von 2017 um 5 Euro pro Tonne auf mehr als 100 Euro pro Tonne angestiegen ist
- sinkender Stromverbrauch, der zu höheren Netzkosten führt
Nach dem Ende der Nord-Stream-Lieferungen 2018 liegt der Gaspreis dauerhaft bei ungefähr 35 Euro pro Megawattstunde. Er hat sich damit seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine ungefähr verdoppelt.
Im Jahr 2017 lagen die Ausgaben für Emissionszertifikate bei 1,8 Milliarden Euro. Sie sind auf 13,4 Milliarden Euro im Jahr 2023 extrem in die Höhe geschossen.
Der Stromverbrauch ist von 479 auf 388 Terawattstunden gefallen. Das treibt die Kosten pro Kilowattstunde nach oben. Der Grund dafür sind die Netzkosten, bei denen es sich vorwiegend um Fixkosten handelt. Sie verteilen sich auf einen geringeren Verbrauch.

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Gaspreisanstieg als Folge der fossilen Abhängigkeit
Der Gaspreisanstieg geht unmittelbar auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zurück. Darauf folgte das Ende der Nord-Stream-Lieferungen. Über Jahrzehnte war Deutschland massiv vom russischen Pipeline-Gas abhängig.
Nach dem Wegfall der Lieferungen musste Europa zum teureren Flüssigerdgas LNG wechseln. Am Weltmarkt wird LNG zu deutlich höheren Preisen gehandelt. Seitdem liegt der Gaspreis dauerhaft bei ungefähr 35 Euro pro Megawattstunde.
Der Import von Erdöl, Erdgas und Steinkohle kostet Deutschland laut KfW Research jährlich ungefähr 81 Milliarden Euro. Das macht etwa 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus und entspricht 1.000 Euro pro Einwohner. Auf Erdgasimporte entfielen 2024 allein 19 Milliarden Euro.
Russlands Anteil an den deutschen Energieimporten lag 2021 noch bei 35 Prozent. Im Jahr 2024 machte er lediglich noch 0,1 Prozent aus.
Deutschland bezieht sein Erdgas inzwischen hauptsächlich aus Norwegen, den Niederlanden und den USA. Die jahrzehntelange Abhängigkeit Deutschlands von fossilen Energieträgern aus Quellen, die geopolitisch als unsicher gelten, ist ein wichtiger Kostentreiber für die Energiepreise.
Energiewende ist kein Kostentreiber
Energieökonomin Prof. Dr. Claudia Kemfert betont, dass die hohen Energiepreise nichts mit der Energiewende zu tun haben. Die hohen Energiepreise sind darin begründet, dass Deutschland zu lange an fossilen Strukturen festgehalten hat.
Nicht nur die hohen jährlichen Kosten für die fossilen Energieträger, sondern auch die Gesundheitskosten durch Feinstaub und Klimaschäden müssen laut Claudia Kemfert berücksichtigt werden. In Deutschland sind allein 2018 Klimaschäden von mehr als 80 Milliarden Euro entstanden. Die Tendenz ist steigend.
Claudia Kemfert leitet die Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Ihre eigene Forschung zeigt, dass sich die Investitionen in den Klimaschutz schon jetzt bis zu 4,8-fach auszahlen. Sie weist darauf hin, dass die Kosten des Nichthandelns deutlich höher sind als die Kosten der Energiewende.

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Warum sich eine Wärmepumpe lohnen kann
Prof. Dr. Claudia Kemfert plädiert für die Wärmepumpe als effiziente und kostensparende Technologie zum Heizen. Sie empfiehlt, den Heizungstausch und damit verbunden den Ersatz oder die Kombination der Heizung durch eine Wärmepumpe nicht aufzuschieben.
Ein Aufschub ist laut Claudia Kemfert mit steigenden CO2-Preisen ab 2027, dem Risiko einer Gasheizung als Kostenfalle und teureren Sanierungskosten verbunden.
Auch hier liegt das Problem wieder in den höheren Kosten durch fossile Energieträger.
Sicheres Stromnetz auch bei Vollversorgung aus erneuerbaren Energien
Wenn die Sonne nicht scheint und auch kein Wind weht, wird Deutschland laut Claudia Kemfert nicht im Dunkeln stehen. Deutschland verfügt über eines der sichersten Stromnetze weltweit. Mit Pumpspeicherkraftwerken, Speichertechnologien und dem europäischen Verbund schreitet der Ausbau voran.
Die Kombination der verschiedenen Elemente gewährleistet eine Vollversorgung aus erneuerbaren Energien. Voraussetzung dafür ist ein Ausbau.



